Freiheit
Wie eine Raupe
die in der sachten Wandlung
zum Schmetterling
ihre Haut verliert
häute ich mich unentwegt
und fürchte jedes Mal
dass ich mich verliere
Stets zu Freiheit
Meine stürmische Seele
O Gewalt meiner stürmischen Seele
du wütest auf meines Herzensgrund
und zerbrichst alles was in mir noch heil ist
ohnmächtig schaue ich dich an
erschaudert von deiner Macht
wie kann ich dich bändigen
und zerreißen die Ketten
du fesselst mich
dein Herz voller Gier
und beherrschst mein Leben
zerrüttet bange ich du Tyrann
und am Ende beuge ich mich
du nimmst mich mit
ich bin doch Dein
Schneeflocke
Eine kleine Schneeflocke
verließ fröhlich die kühle Wolke
tänzelnd und leicht schwebte sie lachend
bis sie die Erde erreichte und verschwand
Warte o warte Augenblick
Warte o warte Augenblick
flieg nicht vom Jetzt dahin
im Augenblick zu verweilen
den Augenblick zu begreifen
du rollst von meiner Haut
du fliegst aus meinem Mund
du fliehst vor meinen Augen
und machst das Jetzt zur Vergangenheit
werde nicht schnell zur Erinnerung
wie lange wie oft noch
gehe nicht hinter mir
komm’ mit mir
denn nur du
du allein
du folgst mir
du mein Leben
du mein Schatten
du mein Freund
sei ich selbst und ich werde
dann du
Erinnerung
Nacht
Langsam flüchtet
der Tag hinter die Berge
es ist als käme die Nacht
leise durch die Tür
und küsse wie eine Mutter
sanft ihr Kind
sie zieht ringsum
ihren dunklen Vorhang
Bäume neigen sich
nach vorne
Vögel werden still
und lauschen sacht
Dunkelheit legt sich
auf die ganze Natur
der Wald atmet still
und ruht
die Nacht lauert auf
den Tagesanbruch
sie verliert sich
nach und nach
bei der Umarmung
der Vergangenheit
und Zukunft
Kerze und Schmetterling
Flatternd suchte ein Schmetterling
das Licht einer leuchtenden Kerze
er blieb ganz nah und sah wie leidvoll
die Kerze langsam und geduldig verging
er fragte, wie kannst du so geduldig vergehen
du klagst nicht über deinen Schmerz
die Kerze sagte, das liegt in meiner Natur
ich beleuchte den Weg, indem ich vergehe
Vergessenheit
Gekreuzigt wurdest Du
vor mehr als 2000 Jahren
verraten
Einsam hast Du durch Leid
und tiefen Schmerz
die Schuld der Menschheit
auf Deinen Schultern getragen
Gerühmt wirst Du heute
als Prophet
Du hast vergeben und Liebe
war für Dich der einzige Weg
unserer Rettung
Dir in unserer Zeit
das erfahrene Leid
übler widerfahren wäre
Tag für Tag werden
unzählige Menschen
verfolgt
ermordet
Böses wird mit Bösem vergolten
Vergebung wandelt sich in Vergeltung
Und Liebe wandelt sich in Besitz
sie wird nicht mehr als
oberstes Gut angesehen
„Liebe Deinen Nächsten
wie dich selbst“
wird nicht mehr gelebt
mit Deinem Kreuz werden Fassaden
geschmückt und unter diesem
werden gekreuzigt
Deine Nächsten
Dunkelheit verbreitete sich
im ganzen Land
das Leben in das Nichts
in Windeseile
eine nach der andern
und die Ernte Verzweiflung
mit dem Licht in der Hand
verdeckte die Fenster
um die Sonne
in meinem tiefsten Herzen
vor dem Teufel
zu verbergen
Schweigen herrscht in einem Land
Reden ist untersagt
man befiehlt den Menschen
zu schweigen
Lippen werden zugenäht
nach einer Antwort
man befiehlt den Menschen
weg zu schauen
die Augen werden verbunden
man befiehlt die Hände zu fesseln
und stampfen laut
man befiehlt Füße anzuketten
ein Friedhof von Menschen
die ewig schweigen
das Schweigen
der stürmische Wind bläst den Staub
von gestern weg
Regen spült die Schandtat
und die Sonne erwärmt das Leben
die Klage der Schweigenden
Wenn das Leben aus Zwängen besteht
Wenn das Leben aus Zwängen besteht
dein Atem in der Brust stockt
deine Haut nur Kälte empfindet
Ungewiss ob Tag oder Nacht
Sucht das zitternde Herz
Vergeblich Wärme
die wagt in einer schier
unglaublichen Verwandlung
zum Schmetterling
das Leben zu atmen
warte ich schon lange
auf meine Geburt.